Mittwoch, 02 September 2020 12:50

„Rastplatzl zur Goaßnweide“ lädt zur Einkehr

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Drei Generationen am „Rastplatzl zur Goaßnweide“ in Töfenreut: von links die „Betreiber“ Vroni und Matthias Brandner, davon auf dem Austragsbankl die Großeltern Maria und Hans Frisch, an dem Tisch die Eltern Martin und Regina Brandner.|Neben dem „Rastplatzl zur Goaßnwiese“ springen die Goaßn, die dem Ort den Namen gegeben haben, munter umher - mitten unter ihnen Vroni und Matthias Brandner.|Neben dem „Rastplatzl zur Goaßnwiese“ springen die Goaßn, die dem Ort den Namen gegeben haben, munter umher - mitten unter ihnen Vroni und Matthias Brandner.|Vroni und Matthias Brandner sind die Chefs des Selbstbedienungs-Rastplatzes und kümmern sich um die ganze Organisation.|||| Drei Generationen am „Rastplatzl zur Goaßnweide“ in Töfenreut: von links die „Betreiber“ Vroni und Matthias Brandner, davon auf dem Austragsbankl die Großeltern Maria und Hans Frisch, an dem Tisch die Eltern Martin und Regina Brandner.|Neben dem „Rastplatzl zur Goaßnwiese“ springen die Goaßn, die dem Ort den Namen gegeben haben, munter umher - mitten unter ihnen Vroni und Matthias Brandner.|Neben dem „Rastplatzl zur Goaßnwiese“ springen die Goaßn, die dem Ort den Namen gegeben haben, munter umher - mitten unter ihnen Vroni und Matthias Brandner.|Vroni und Matthias Brandner sind die Chefs des Selbstbedienungs-Rastplatzes und kümmern sich um die ganze Organisation.|||| Foto: Hans Eder|Foto: Hans Eder|Foto: Hans Eder|Foto: Hans Eder||||

Vroni und Matthias Brandner aus Töfenreut betreiben an der Gemeindestraße einen Mini-Imbiss

Wonneberg. Zwei geschäftstüchtige Kinder betreiben in dem Weiler Töfenreut in der Gemeinde Wonneberg das „Rastplatzl zur Goaßnweide“. Seit rund zwei Monaten lädt das kleine Standl samt gemütlicher rustikaler Sitzplätze an der Gemeindestraße St. Leonhard – Lauter dazu ein, sich gemütlich hinzusetzen, etwas zu trinken und zu essen oder auch etwas nach Hause mitzunehmen. Die beiden fleißigen Kinder, das sind Vroni und Matthias Brandner. Sie betreiben das Standl, kümmern sich um den Nachschub an Lebensmitteln und das Wechselgeld, und haben in der Vorbereitung kräftig mitgearbeitet – unterstützt von ihren Eltern und vor allem auch von den Großeltern.

 

Es war bei einem Mittagessen um die Pfingstzeit herum. Dabei kam Matthias mit der Idee an, an der vielbefahrenen Straße einen Tisch aufzustellen, um dort Speisen und Getränke zu verkaufen. Sein Hintergrund: Er wollte sich Geld dazu verdienen, um die teure Ziach, die er um Weihnachten herum bekommen soll, ein Stück weit mitzufinanzieren. Ähnlich der Beweggrund seiner Schwester Vroni: Sie möchte gern ein eigenes Pferd haben; und auch sie hat den Ehrgeiz, auch selbst etwas zu den Anschaffungskosten beizutragen.

 

Ihre Oma Maria Frisch – weithin bekannt für ihren Käse, den sie zunächst aus Kuhmilch, inzwischen nur noch aus Ziegenmilch herstellt – nahm in ihrer begeisterungsfähigen Art die Idee ihrer Enkelkinder spontan auf und „verfeinerte“ sei. Was dann herauskam, war der Vorschlag, doch eine Hütte für Selbstbedienung aufzustellen, weil an einem Tisch ja ständig jemand zum Verkauf anwesend sein müsste. Während in den Wochen danach das Projekt noch eher ruhte, kam neuer Schwung in die Sache, als man per Zufall darauf aufmerksam wurde, dass bei einem Nachbar eine nicht benötigte Hütte herumstand, die dieser für den Verkauf gern zur Verfügung stellte.

 

Nun kam Opa Hans Frisch ins Spiel. Er nahm sich ebenfalls mit großer Hingabe des Projekts seiner Enkelkinder an, versah die Hütte mit einem Holzdach mit Blechabdeckung und einem soliden Boden und zimmerte aus soliden Hölzern rustikale Bänke und Tische – war insgesamt etliche Tage lang zwischendurch mit diesen Arbeiten beschäftigt. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Die Kinder besorgten sich eine Anrichte, die im Bauernhaus herumstand, schrieben die Plakate mit dem Angebotssortiment und den Regeln der Selbstbedienung. Durch gute Beziehungen zur Brauerei Schnitzlbaumer konnte ein großer Kühlschrank ausgeliehen werden, ein Biertisch wurde als Ladentheke eingerichtet, auf dem die Kasse stand. Denn das Prinzip Selbstbedienung sollte hier gelten – eine „Vertrauenskasse“, wie Hans Frisch das ausdrückt, wurde hier installiert. Und für die Kasse bastelten die Kinder einen „Tresor“.

 

Und dann ging es ans Überlegen, was im Einzelnen angeboten werden sollte, was mit vertretbarem Aufwand möglich war und regelmäßig besorgt beziehungsweise zubereitet werden konnte. Naheliegend war der Verkauf von Käse – der inzwischen auch Hauptumsatzträger geworden ist. Dazu wurde mit der Oma ein Deal geschlossen: Sie stellte den Käse zur Verfügung, insgesamt um die zehn Sorten. Dafür hatten die Kinder eine gewisse Summe pro Stück an sie abzugeben. Kaffee und Kuchen ist eine weitere Säule des Verkaufsangebots. Dabei backen die Kinder selbstständig verschiedene Kuchensorten, mitunter von Mama Regina oder Oma Maria unterstützt. Das Angebot ist hier recht vielfältig: Es gibt unter anderem Zebra-, Mandarinenschmand-, Zupf-, Kirsch-, Eierlikör- und Rotweinküchen. Das alles backen die Kinder weitgehend allein. Abgerundet wird die Angebotspalette durch verschiedene Getränke.

 

Der Erfolg gibt ihnen Recht. In den zwei Monaten, seit das Standl am Straßenrand steht, haben schon viele Menschen hier angehalten, in Ruhe etwas getrunken oder sich etwas mit nach Hause genommen. Die Bilanz der vergangenen Woche ergibt auf die bisherige Laufzeit einen Verkauf von etwa zehn Artikeln pro Durchschnittstag – und damit schon einen nicht zu verachtenden Erlös für die Kinder und ihre großen Wünsche. Es wird Tag für Tag genau Buch geführt. Jeden Morgen wird das Stand geöffnet, das Wechselgeld bereitgelegt, der Kühlschrank aufgefüllt, die Thermoskanne mit Kaffee befüllt. Und am Abend wird Kasse gemacht und der Stand abgeschlossen.

 

Die „Vertrauenskasse“ funktioniert weitgehend, so das Fazit der Kinder und ihrer Eltern beziehungsweise Großeltern. Allerdings ist es auch schon vorgekommen, dass, wie Matthias erzählt, „ein paar Euro zu wenig drin sind. Aber meistens stimmt es.“ Andererseits aber ist es auch schon vorgekommen, dass auch etwas Trinkgeld in der Kasse war. Insgesamt erfahren die Betreiber des „Goaßnweide-Rastplatzls“ viel Zustimmung und Lob. Zuletzt wurden einige Gläser zurückgebracht, in die der Käse „verpackt“ ist, und darin lag ein Zettelchen mit folgender Aufschrift: „Der Ingwer-Ziegenfrischkäse war sehr lecker. Eine gute Idee mit dem Verkauf und der Selbstbedienung.“ Darüber haben sich alle Beteiligten sehr gefreut. Und Hans Frisch kommentiert die wenigen Nichtzahlen ironisch mit den Worten: „Denen, die nicht zahlen, wird es wohl auch gefallen haben.“

 

Für die Kinder war das „Rastplatzl“-Projekt gerade in den langen Ferien eine interessante Beschäftigung: „Corona hat das Projekt beschleunigt“, stellt Hans Frisch dazu fest. Und Mama Regina ergänzt: „Das ganze war ein Kinder-Beschäftigungsprogramm, ein Stück Wirtschafts-Unterricht zu Hause.“ Und es ist schon einiges Geld für ihre Herzenswünsche zusammengekommen. Was nach den Ausgaben für den Einkauf übrig bleibt, wird natürlich ganz gerecht geteilt, versichern die beiden mit Nachdruck.

 

Warum übrigens dieses idyllische kleine Fleckchen an der Landstraße „zur Goaßnweide“ heißt, sieht man meist sehr schnell: Daneben weidet nämlich eine muntere Schar von Goaßn, aktuell 24 Muttertiere, ein Bock und um die 20 putzige junge Zicklein. Dabei ist das nur ein Teil der bunten Bauernhofs-Bewohnerschaft: Es sind hier auch noch eine Kuh, zahlreiche Hühner, Gänse und Enten, fünf Katzen samt Nachkommenschaft und nicht zuletzt Hund „Fanny“ zu Hause. Mit ihren Ziegen bietet Maria Frisch, nie um gute Ideen verlegen, Wanderungen an. Die Idee dazu war durch den Besuch von Schulklassen aufgekommen: „Die Kinder hatten so viel Spaß im Umgang mit den zutraulichen und neugierigen Ziegen, dass wir auch Spaziergänge und kleine Touren für Familien mit unserer Herde anbieten – inklusive Brotzeit.“ he

 

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