Sonntag, 21 Februar 2021 12:43

Eine Frage des Privilegs oder der Außenbereichsverträglichkeit

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|||| |||| Foto: Peter Wolff||||

In der ersten Sitzung des Gemeinderates in diesem Jahr ging es unter anderem auch um Bauanträge, bei denen Fristen eingehalten werden müssen.

Wonneberg. Unter der Voraussetzung, dass der Bauherr die baurechtlichen Bestimmungen einhält, erteilte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung dem Antrag auf Vorbescheid zur Erweiterung des Wohnhauses an der Pater- Bernhard- Straße 56 das gemeindliche Einvernehmen. Die Antragsteller möchten an das bestehende Einfamilienhaus anbauen, um eine zweite Wohnung zu schaffen. Der Anbau ist 11,50 auf 9 Meter groß und soll an der nordöstlichen Seite des bisherigen Wohngebäudes entstehen. Da das Baugrundstück aber im baurechtlichen Außenbereich liegt, treffe die Untere Bauaufsichtsbehörde die endgültige Entscheidung über die Zulässigkeit des Vorhabens, teilte Bürgermeister Martin Fenninger mit. Zuvor hatte sich der Gemeinderat mit dem ersten der drei, an diesem Sitzungsabend vorliegenden Anträgen zu Bauwünschen im Außenbereich beschäftigt, bei denen er regelmäßig ganz genau hinschaut, weil er den sogenannten Außenbereich, also Grundstücke, die nicht im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegen und auch nicht zu einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil gehören, für besonders sensibel hält.

 

Auch der Weiler Reichwimm zählt zum baurechtlichen Außenbereich, der grundsätzlich nicht bebaut werden darf. Allerdings bestehen gemäß Baugesetzbuch einige Ausnahmen, welche unter bestimmten Voraussetzungen eine Bebauung dort dennoch gestatten, sofern ihnen öffentliche Belange nicht entgegenstehen und die Erschließung gesichert ist. „Bei der geplanten Errichtung einer Hackschnitzelanlage könnte es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben handeln“ informierte Bürgermeister Fenninger. Die Prüfung der vorliegenden Privilegierung obliege der Genehmigungsbehörde im Landratsamt. Mit dem Erteilen des gemeindlichen Einvernehmens zeigte sich der Gemeinderat aber mit dem Neubau einer Halle für eine Hackschnitzelheizung samt Lagerraum in Reichwimm einverstanden.

 

Laut Antrag plant der Eigentümer des Grundstücks den Bau eines Hackschnitzellagers mit Heizraum als Ersatzbau für das bestehende landwirtschaftliche Nebengebäude (auf dem bestehenden Fundament). Den Angaben zufolge stellt dieser Standort für ihn die einzige Möglichkeit zur Realisierung einer Hackschnitzelheizung dar. Die Halle für Heizung und Lagerung soll in den Maßen zehn auf acht Meter erstellt werden. Die seitliche Wandhöhe beträgt 4,21 Meter bei einer Firsthöhe von sechs Metern. Und das Dach der Halle soll in Form eines Satteldachs mit einer Neigung von 24 Grad gestaltet werden.

 

Eingehend beschäftigte sich der Rat noch mit dem Neubau eines Einfamilienhauses in Moospoint 5, das das gemeindliche Einvernehmen aber nicht erhielt. Das Haus soll südlich des kleinen Häuschens, das auf dem Außenbereichs-Grundstück schon steht, errichtet werden. Die Sache hat aber einen Haken. Denn am geplanten Standort befindet sich die Schmutzwasserdruckleitung. In der wird das gesamte Schmutzwasser von Greinach, Moospoint und Oberau gesammelt.

 

Das Überbauen der Druckleitung sei nicht möglich. Entweder müsse der Bauherr die etwa 35 Meter lange Druckleitung verlegen oder aber das Bauvorhaben räumlich verschieben. Eine Verschiebung lehne man aber ab. „Da findet sich sicher eine Lösung, die Gemeinde hat nämlich nichts gegen den Bau des Einfamilienhauses“, betonte Bürgermeister Martin Fenninger.

 

Wie er weiter sagte, zähle das Baugrundstück zum Außenbereich. Dort sei die Neuerrichtung eines gleichartigen Wohngebäudes an gleicher Stelle unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Ob diese vorliegen, werde von der Genehmigungsbehörde geprüft. „Der Verwaltung liegen leider keine Unterlagen von früheren Baugenehmigungen zum Bestandsgebäude vor, sodass wir keine Gegenüberstellung vornehmen konnten.“ Ob eine Erweiterung der Grundfläche noch vorliege, betrachte die Verwaltung als kritisch, „dennoch würden wir die Erweiterung positiv in Aussicht stellen“.

 

Gelesen 182 mal Letzte Änderung am Sonntag, 21 Februar 2021 12:52