Samstag, 10 Januar 2015 01:00

Bürger und Vereine sollen sich aktiv in das Projekt einbringen

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Wonneberger Gemeindebürger holten sich in Halsbach Anregungen für den geplanten Bürgersaal – Fenninger: „Stehen noch ganz am Anfang“

Mehr als 65 Wonneberger Gemeindebürger unter der Leitung von Bürgermeister Martin Fenninger sowie die Leonharder Musikanten machten sich jetzt auf dem Weg nach Halsbach, um sich dort über das Projekt Gasthaus und Sportheim Mitterwirt zu informieren. Fenninger erhoffte sich durch den Besuch in der Gemeinde im Landkreis Altötting Anregungen für den geplanten Bürgersaal. In Wonneberg fehlt eine Räumlichkeit für größere Veranstaltungen.
Die Gemeinde Halsbach zählt 950 Einwohner und besteht neben dem Hauptort aus 67 Weilern. Die Kommune ist vornehmlich landwirtschaftlich geprägt. 2006 entschloss sich der Gemeinderat mit dem damaligen Bürgermeister Georg Pfaffinger an der Spitze einstimmig, das ehemalige Gasthaus Mitterwirt zu kaufen. „Wir brauchten dringend einen Saal. Unsere Bürgerversammlungen mussten wir immer auswärts abhalten“, erinnerte sich Pfaffingers Nachfolger Martin Poschner.

 

Die Halsbacher Bürger wurden von Anfang an aktiv in die Planungen und später auch in den Umbau einbezogen. 30000 Stunden leisteten sie freiwillig und ehrenamtlich während der dreijährigen Bauzeit ab. „Von den 950 Einwohnern haben sich knapp 300 Halsbacher in das Projekt eingebracht. Die Identifikation mit 'unserem' Mitterwirt ist daher enorm“, betonte Poschner. Aufgrund des immensen Engagements der Bevölkerung konnten die Kosten für den Um- und Ausbau merklich reduziert werden. Bis zur feierlichen Einweihung des „neuen“ Mitterwirts im Herbst 2011 wurden 2,2 Millionen Euro investiert. Ohne Eigenleistungen hätten für das Projekt rund drei Millionen Euro mehr veranschlagt werden müssen. Auch die strengen behördlichen Auflagen – ausgenommen der Brandschutz - konnten durch den Umbau in Eigenregie deutlich entschärft  werden. Georg Pfaffinger, die treibende Kraft des Projekts, konnte den Erfolg des Mitterwirts nicht mehr lange miterleben; er starb im vergangenen Sommer 62-jährig nach schwerer Krankheit.

 

Heute existieren von dem einst verkommenen Gebäudekomplex aus dem Jahr 1883 noch der Gewölbekeller und die Südfassade. Für den Erhalt der alten Baumasse gab es aus dem Fördertopf des Dorfentwicklungsprogramms einen Zuschuss in Höhe von 80000 Euro. Im Mitterwirt sind nicht nur das einzige Wirtshaus des Ortes mit 65 Plätzen und der große Saal für 140 Besucher mit dem alten, freitragend errichteten Dachstuhl untergebracht; in dem mehrstöckigen Gebäude befinden sich zudem ein großzügiges Foyer, in dem regelmäßig „Public viewing“ angeboten wird, eine helle Turn- und Sporthalle, mehrere Duschen, ein Spinningraum sowie acht hochmoderne Schießstände. Diese können innerhalb von nur 30 Minuten abgebaut und der Raum so in einen zusätzlichen Gastraum verwandelt werden. Möglich macht dies ein durchdachtes Einrichtungs-Stecksystem. Komplettiert wird der neue Mitterwirt-Komplex durch die Stockschützenhalle, die ebenfalls multifunktional für Konzerte oder größere Festlichkeiten und Hochzeiten mit bis zu 350 Personen genutzt werden kann. „Viele Ideen sind erst in der Bauphase entstanden“, erzählte Bürgermeister Martin Poschner den Gästen aus Wonneberg. Eine 40-Kilowatt-Heizung, an die auch das örtliche Feuerwehrgerätehaus angeschlossen ist, sorgt für Wärme.

 

Betrieben wird der gesamte Gebäudekomplex von der Gemeinde Halsbach, die den Mitterwirt als Kommunalen Gewerbebetrieb führt. Sämtliche Pachteinnahmen der Vereine, Raummieten und die Umsätze aus dem Gastronomiebetrieb fließen in die Kasse der kleinen Kommune. Auch der Wirt des Gasthauses ist ein kommunaler Angestellter. „So umgehen wir lästige Pächterwechsel, die zu einem schlechten Image führen können. Und ein Brauereizwang besteht ebenfalls nicht“, erläuterte Martin Poschner, der in Personalunion auch als Aufsichtsratsvorsitzender des Mitterwirts fungiert.

 

Die Wonneberger waren beeindruckt von der Baumaßnahme. „Ich habe großen Respekt vor dem, was in Halsbach geschaffen worden ist“, betonte Bürgermeister Martin Fenninger in seinem kurzen Grußwort. Auch ihm sei besonders wichtig, dass sich die Wonneberger Bürger und Vereine aktiv in das Projekt Bürgersaal einbrächten. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Entscheidungsfindung und brauchen viele gute Vorschläge und Ideen“, bekräftigte Fenninger. Derzeit gibt es Überlegungen, den Kindergarten an die Schule anzubauen und neben der Wallfahrtskirche St. Leonhard ein Bürgerhaus mit Saal zu realisieren. Dazu strebt Fenninger eine gemeinsame Lösung zwischen Gemeinde und Kirche an. Mia

 

 

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