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Infoabend in Weibhausen: »Neue Windräder für die Energiewende – so geht’s«

Infoabend in Weibhausen: »Neue Windräder für die Energiewende – so geht’s«

"Neue Windräder für die Energiewende - so geht’s", unter diesem Motto lud das Aktionsbündnis für Bürgerwindräder im Landkreis Traunstein zu einer Info-Veranstaltung  mit anschließender Möglichkeit zur Diskussion ins Gasthaus Gruber in Weibhausen.

Dass das Thema Energiewende durch erneuerbare Energien brandheiß ist, zeigte der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal. Die Veranstaltung eröffnete Georg Huber, Sprecher des Aktionsbündisses, mit der Begrüßung.

 

Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH referierte über  regionale Energieerzeugung als wichtigen Standortfaktor. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien vor Ort, könne man mehr Sicherheit und Stabilität auf dem Stromsektor für die heimische Wirtschaft gewährleisten. Die enorm steigenden Energiepreise ließen bei vielen Betrieben Existenznöte aufkommen. Sie gab ihrer Sorge um die heimischen Firmen klar Ausdruck. Der Landkreis Traunstein sei bei den erneuerbaren Energien im Bereich Photovoltaik ja schon gut aufgestellt, jedoch müsse man dringend auch den Ausbau der Windkraft vorantreiben, indem schnellstmöglich in Frage kommende Standorte auf die optimale Tauglichkeit geprüft werden. Seeholzer appellierte eindrücklich, endlich ins Tun zu kommen, gemeinsam anzupacken, damit das Beste für alle dabei rauskommt.

 

Eine  Kurzinfo über Technik und Größe moderner Windkraftanlagen gab Christoph Kellner (Bachelor of Engineering). Er beschrieb verschiedene Anlagentypen, deren Technik und wie sie jeweils funktionieren. Hierbei betonte er besonders, dass vor allem die Höhe der Anlagen und die Fläche der Rotorblätter entscheidend für den Ertrag seien. Er verglich hierbei als Beispiel ein Windrad des „Pallinger Typs“ mit einem aktuellen Bautyp und zeigte auf, dass ein modernes Windrad mehr als den vierfachen Stromertrag bringe.

 

Als Hauptredner berichteten Werner Stinauer und Hans Zäuner, Initiatoren und Betreiber vom Hamberger Bürgerwindrad (Lkr. Ebersberg) fundiert und begeisternd von der Planung, Errichtung und den Betrieb ihres Bürgerwindrades. In amüsanter Art und Weise erzählten die beiden Geschäftsführer der Osterkling GmbH & Co KG vom langen Weg, beginnend bei der Idee, bis hin zur Errichtung  des Windrades in Hamberg. Am 06.12.2011 hätten sie den Bauantrag für die Windkraftanlage beim Landkreis Ebersberg eingereicht. Beflügelt von den Aussagen des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, planten sie den Baubeginn für das Folgejahr. Seehofer forderte damals 1500 Windräder, wofür das Genehmigungsverfahren in 3 Monaten durch sein sollte. Dies war leider fern der Realität, die vorläufige Genehmigung erhielten sie erst im April 2015. Dazwischen mussten enorm viele Hürden überwunden werden, Klagen einer Bürgerinitiative  gegen Windräder, artenschutzrechtliche Prüfungen und eine Vielzahl an Gutachten die zu erstellen waren. 2016 konnte dann endlich mit dem Bau des Bürgerwindrades begonnen werden. Zäuner sagte wörtlich: „Bauen ist wie Lego bauen, das davor ist eine Katastrophe“. Die Anlage mit 138m Nabenhöhe liefert seither durchschnittlich 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, was die 16 Eigentümerfamilien besonders freut. Die beiden Geschäftsführer erzählten, dass „ihr“ Windrad mittlerweile zu einem Besuchermagneten wurde, sie hätten sicherlich schon 150 Führungen abgehalten. Sie seien durch ihre Erfahrung zum kompetenten Ansprechpartner geworden, für Tipps bei der Planung und Ausführung beim Bau von Windrädern.

 

Bei der anschließenden Diskussion lag das Hauptinteresse an dem Bürgerwindrad in Hamberg.

 

Hans Zäuner und  Werner Stinauer standen hierfür Rede und Antwort. Sie informierten über die Kosten der Anlage. Laut Projektkalkulation hätten die Gesamtkosten bei 4,2 Mio € gelegen. Letztendlich lagen die Kosten dann 500.000 Euro niedriger, da vor allen die gesunkene Einspeisevergütung in den 5 Jahren bis zur Verwirklichung zu niedrigen Preisen geführt habe. Die Schlusszahlung konnte dann sogar schon mit den Erträgen die das Windrad während des ersten Jahres erwirtschaftete, 150.000 €, beglichen werden. Stinauer und Zäuner führten noch aus, dass in den Kosten auch eine Pflichtzahlung über 93.000 Euro an den bayerischen Umweltfonds wegen „optischem Eingriff in das Landschaftsbild“ enthalten sei, was zu einigem Unverständis der Besucher führte.

 

Auf die Frage nach der Finanzierung antwortete Zäuner, dass die 16 Gesellschafter eine Million Euro Eigenkapital eingebracht hätten, der restliche Betrag sei über die örtliche Bank finanziert worden. Die Ausschüttung an die Gesellschafter belaufe sich über zehn Jahre auf 4%, diese sei aber mit dem Sinken der Schulden ansteigend; gut erreichbares Ziel ist, dass an die Gesellschafter insgesamt das doppelte des eingesetzten Kapitals zurückgezahlt werde.

 

Natürlich kamen auch Stimmen aus dem Publikum, die die heimische Tierwelt, insbesondere Fledermäuse und Vögel im Zusammenhang mit den Windrädern in den Fokus brachten.. So meinte Frank Weiß vom Landesbund für Vogelschutz, dass in Gebieten mit vermehrtem Aufkommen von Rotmilan und Fledermäusen, genau hingeschaut werden muss um eventuell vom Errichten einer Windkraftanlage abzusehen. Im übrigen sagte er ausdrücklich, dass der LBV generell für den Ausbau der Windkraft sei. Wo sie keine Gefahr darstelle würden sie sie auf keinen Fall verhindern wollen.

 

Ein Besucher wollte wissen, wie schnell sich Windräder bei Vollast drehen. Nach seinen Beobachtungen sei dies eher langsam, also solle es doch keine große Gefahr für Vögel darstellen. Hans Zäuner erläuterte, dass an den Spitzen der Rotorblätter weit über 200km/h erreicht würde; dies könne schon eine Gefahr darstellen. Laut Ornitologen kriegen Vögel aber durchaus mit, auf was sie zufliegen und „seien nicht so dumm“. Dies gelte laut seiner Meinung zumindest für einzelne Windräder, aber vielleicht nicht für ganze Windparks.

 

Eine weitere Frage war, wie oft das Windrad vom Netzbetreiber wegen Netzüberlastung abgeschaltet wurde. Hierauf antwortete Zäuner, dass dies kaum der Fall sei, da „das nahe München den Strom wie ein Staubsauger aufsauge“. Allerdings sei es oft vorgekommen, dass der dazwischengeschaltete Direktvermarkter das Windrad vom Netz genommen habe, weil die Preise am Strommarkt im negativen Bereich waren; aktuell seien die Preis jedoch weit positiv.

 

Noch während des Vortrages erkundigte sich ein Zuhörer, was die früheren Gegner jetzt zum Windrad sagen. Herr Zäuner holte hierzu etwas weiter aus. Von den früheren Behauptungen der Gegner, dass Kühe keine Milch mehr gäben, Frauen nicht mehr schwanger würden und die Tiere aus dem Wald vertrieben würden, hat sich keine bewahrheitet. Viele der früheren Gegner hätten sich inzwischen sogar bei ihm entschuldigt. Letztendlich sind die wirklich hartnäckigen Gegenstimmen auf 4 Familien geschrumpft.

 

An Dr. Birgit Seeholzer wurde die Frage herangetragen, was dagegen spräche, wenn der Landkreis nach der Kreistagssitzung zur Windenergie sofort alle entsprechenden Gutachten für eine Windkraftanlage in Auftrag gäbe, um nicht schon wieder wertvolle Zeit zu verlieren. Seeholzer informierte, dass auch ein Landkreis die Einspruchsfristen und gesetzlichen Vorgaben einhalten müsse, er kann sich nicht einfach so die Genehmigung erteilen. Durch den Umstand, dass im Moment die Gutachterbüros völlig überlastet seien, und es sich schwierig gestalte einen Gutachter zu bekommen, würde man eine gewisse Zeit brauchen um etwas in Gang zu bringen. Es sei sowieso notwendig bei der Projektauswahl gute Vorarbeit zu leisten, damit im Nachhinein die Durchführung zügig vorangehen kann. Im Übrigen durften Landkreise bis vor kurzem keine Windkraftanlagen selbst betreiben, die Gesetzgebung dahingehend wurde aber mittlerweile geändert.

 

Georg Huber fügte hier an, dass die Akzeptanz für Windräder sowieso höher sei, wenn die Anschaffung mit Bürgerbeteiligung stattfindet. Das sehe man ja sehr gut an dem Beispiel des Windrades in Hamberg, wo mit enormer Eigeninitiative dieses Projekt erfolgreich umgesetzt wurde. 

 

Linda Babl