Selten luden so viele Veranstalter gemeinsam zu einer Flurbegehung: Die Ortsverbände des Bauernverbands Fridolfing, Tittmoning und Kirchanschöring, der Verband landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen und die Arbeitsgruppe regionales Eiweiß der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel baten am 1. Juni zur Begutachtung der Soja-, Kleegras- und Grünlandflächen der Familie Glück in Ledern.
Ca. 80 Teilnehmer folgten den beiden Referenten Hansjörg Hartmetz (Stadlhuber Agrarservice) und Jochen Obernöder (LKP Bayern) vor einer beeindruckenden Gebietskulisse über die Felder und anschließend in die Gastwirtschaft.
Hansjörg Hartmetz ist beim Stadlhuber Agrarservice als Soja-Anbauberater tätig. Er rät Betrieben mit mehr als 2 GV pro ha davon ab, Soja anzubauen, da die Bohne bei zu viel N-Nachlieferung aus dem Boden keine Knöllchenbakterien ansetzt. Sie nutzt dann den im Boden vorhandenen Stickstoff und verhungert bei der Blüte, wenn nicht zusätzlich mineralischer Stickstoff gedüngt wird.
Zum erzielbaren Preis wollte sich Herr Hartmetz nicht äußern, da er heuer durch die Anerkennung als ökologische Vorrangfläche im Greening doppelt so viel Soja-Saatgut wie im Jahr zuvor verkauft hat. Der Preis kann also nach unten tendieren. Um einen ähnlichen Deckungsbeitrag wie der Weizen zu erzielen, muss der Preis für die Sojabohne ungefähr 2 bis 2,5-mal höher liegen als der Weizenpreis.
In der Fütterung hat die Sojabohne Vorteile gegenüber dem Sojaextraktionsschrot, da sie mehr Energie (9,9 MJ NEL), Vitamine und Lecithin enthält. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch, dass durch heimisches, GVO-freies Soja Futtermittelimporte reduziert werden. Als möglichen Anteil in der Ration nannte Herr Hartmetz 2 kg Soja/Milchkuh und Tag. Allerdings ist die thermische Aufbereitung der Bohne sowohl in der Monogastriden- als auch in der Wiederkäuerfütterung unerlässlich, da sie so schmackhafter und besser verwertbar wird.
Herr Hartmetz stellte klar, dass die Sojabohne auch für Öko-Betriebe gut geeignet ist, wenn sie mit dem hohen Unkrautdruck zurechtkommen. Die mechanische Bodenbearbeitung unterstützt die Entwicklung der Sojapflanze. Für die Lebensmittelproduktion ist das bayerische Soja leider nicht geeignet, da die kältetoleranten Sorten nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Als Vorfrucht hinterlässt Soja ca. 40 kg N für die Nachfrucht, zum Vergleich: Bei Kleegras sind es 100-150 kg N.
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Anschließend referierte Jochen Obernöder über Grünland und Kleegras. Zur Grünlanderneuerung stellte er klar, dass man erst die Ursachen für die Verschlechterung des Bestands erkennen und beheben müsse, bevor man sich an die Grünlandverbesserung macht. Häufige Ursachen für entartete Grünlandbestände sind:
- unterbilanzierte oder einseitige Düngung
- Lücken durch Mäuse und Bewirtschaftungsfehler (falsche Geräteeinstellung)
- Staunässe durch defekte Drainagen
- Bodenverdichtung
- unterlassene Kalkung
- Herbizidmaßnahmen (fehlende Nachsaat auf die entstehenden Lücken)
- Nicht an den Standort angepasste Nutzung.
Eine Neuansaat muss auf 20 bis 50% der Flächen wiederholt werden, hier spielt die Ursachenerkennung und auch der richtige Saatzeitpunkt eine große Rolle. Das Hauptproblem im Grünland ist die Gemeine Rispe, die einen Ertragsrückgang um 50% verursachen kann. Sie wird auf vielerlei Arten bekämpft, wichtig ist dabei, dass das herausgekämmte Pflanzengut abgefahren wird, damit das neue Saatgut auch wirklich mit dem blanken Boden in Kontakt kommt. Deshalb empfiehlt sich auch das Anwalzen nach der Saat. Solche ausgestriegelten Flächen tun so manchem Auge weh, sind aber nötig, um die Gemeine Rispe effektiv zurückzudrängen.
Zur Grünfütterung betonte Jochen Obernöder, wie wertvoll das Grünfutter ist, da es im Gegensatz zur Silage fast verlustfrei verfüttert werden kann. Bei der Grassilage kommen von der Mahd über den Silierprozess bis zum Futtertrog schnell einmal bis zu 20% Futterverlust zusammen. Wird das Grünland als Weide genutzt, addieren sich zu dem hochwertigen Futter auch noch die Vorteile für die Tiergesundheit. Die Kehrseite ist, dass die Grünfutterration schwerer zu kalkulieren ist, da der Nährstoffgehalt im Futter mit dem Aufwuchs schwankt, und der höhere Arbeitsaufwand.
Der Anbau von Kleegras hat für Jochen Obernöder viele Vorteile: Der hohe Vorfruchtwert des Kleegrases als N-Sammler, die Verbesserung der Bodengare, der hohe Futterwert und das Angebot als Bienenweide gleichen die Nachteile der schwierigen Silierbarkeit und der etwas komplizierten Stellung in der Fruchtfolge aus.