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Fridolfing weiterhin bei Ökomodellregion

Eine Gegenstimme – Zudem Teilnahme am Kooperationsprojekt „Streuobst wertschätzen und erhalten“

Fridolfing. „Danke, ohne die Unterstützung der Gemeinderäte geht es nicht!“ sagte Marlene Berger-Stöckl in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Sie gab in der Sitzung einen kurzen Überblick über die bisherigen Aktivitäten der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel, bevor das Gremium der Verlängerung der Mitgliedschaft sowie der Teilnahme am Kooperationsprojekt „Streuobst wertschätzen und erhalten“ zustimmte.

 

Zu begrüßen sei es, dass die Gemeinde Teisendorf ab Mai als achte Gemeinde dabei sei, sagte Marlene Berger-Stöckl. Man habe das Ziel von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, mehr einheimische Bioprodukte aus der Region zu erzeugen und zu vermarkten, erweitert. Eine stetig wachsende Nachfrage von sei gegeben. Die Ökomodellregion sei ein Gemeinschaftsprojekt der biologischen und konventionellen Landwirtschaft. Man wolle ein Miteinander schaffen.

 

Berger-Stöckl erläuterte verschiedene Themenfelder, wie Biofleisch, Biomilch, Ökoackerbau und die Liefergemeinschaf. Es sei etwas Besonderes, dass in der Salzachklinik Fridolfing ein Teil der Lebensmittel Bio sei und frisch gekocht werde. Dies sei nicht überall der Fall. Es sei sehr erfreulich, wie aktiv die sieben Gemeinden sich einbringen. „Da haben andere Regionen gestaunt, wie gut das bei uns läuft. Da sind wir wirklich Vorbild“ sagte Berger-Stöckl. An einem Tourismuskonzept arbeite man derzeit, zudem lege man viel Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit und organisiere viele Veranstaltungen. Man sei auch bei vielen Märkten vor Ort, um die Idee nach außen zu tragen.

 

Gemeinderatsmitglied Alois Reiter ist der Meinung, dass konventionelle von biologischen Produkten verdrängt würden. Bei der Salzachklinik sei damals im Gespräch gewesen, dass man gewisse Produktpaletten zu 100 Prozent auf Bio umstelle. Die Landwirtschaft in der Region sei klein gegliedert, und der Markt müsse den höheren Preis auch hergeben. Darum sei es derzeit auch von Molkereien richtig, keine neun Landwirte mehr aufzunehmen.

 

„Grundsätzlich halte ich es nicht für sinnvoll, dass man umstellt“, meinte Reiter weiter. Der Der Ökolandbau sei nicht zukunftsfähig. Man müsse die konventionelle Landwirtschaft in eine umweltfreundliche weiterentwickeln. Das sei zukunftsfähig.

 

Bürgermeister Johann Schild erklärte, dass vor zehn Jahren entschieden worden sei, in der Salzachklinik auf regional erzeugte Produkte umzustellen. „Wir haben den Trend dazu relativ früh erkannt.“ Mit der Ökomodellregion wurde alles erfasst, um einen Überblick zu erhalten.

 

Nun seien 20 Prozent der Lebensmittel biologisch, im Wesentlichen Geflügel, etwas Obst und wenig Milchprodukte. Es sei nicht möglich, bei bestimmten Produktpaletten zu 100 Prozent auf biologischen Anbau zu achten, da es mit der getrennten Lagerung ein Problem gebe.

 

Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Johann Schild mitgeteilt, dass die Förderung der „Ökomodellregion Waginer See-Rupertiwinkel“ um drei Jahre, bis 2018, verlängert wurde. Sollte die Gemeinde weiter teilnehmen, ist ein jährlicher Beitrag von 7000 Euro zu leisten. Mit einer Gegenstimmt stimmte der Rat einer Verlängerung der Mitgliedschaft bei zu.

 

Unter Vorbehalt der LEADER-Förderung beschloss die Gemeinde die Teilnahme am Kooperationsprojekt „Streuobst wertschätzen und erhalten“ und stellte dem Projektträger Streuobstinitiative Chiemgau E.V. bis2020 insgesamt 2900 Euro zur Verfügung.

 

Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt, an dem die LAG Mangfall-Inntal, Chiemgauer Seenplatte, Chiemgauer Alpen und Leader Traun-Alz-Salzach teilnehmen. Um die Biosammelzertifizierung zu erhalten, muss der Obstwiesenbesitzer einen Pachtvertrag mit der Streuobstinitiative Chiemgau (SIC) abschließen und Mitglied werden.

 

Die die Biosammelzertifizierung umfasst alle Obstbäume auf den Streuobstflächen, bestehende Flächenförderprogramme bleiben unberührt. Grundbesitzer dürfen Obst zum Eigenverbrauch verwenden und ab Hof auf Apfelmärkte mit dem Hinweis „Biosammelzertifiziert durch Streuobstinitiative Chiemgau“ verkaufe. Das zertifizierte Obst, das zur Saftherstellung verwendet wird, muss bei einer der teilnehmenden Keltereien abgeliefert werden.

 

Jede Gemeinde entscheidet selbst, ob sie am Kooperationsprojekt teilnimmt. Allerdings ist die Teilnahme der Gemeinde Voraussetzung dafür, dass die Obstwiesenbesitzer ihre Flächen in das Projekt einbringen können. Für die fünfjährige Aufbauphase dieses Projektes ist eine LEADER-Förderung von insgesamt 200 000 Euro vorgesehen. Beiträge bezahlen die teilnehmenden Kommunen und die Mitglieder, zudem werden weitere Beiträge erhoben. Nach der fünfjährigen Aufbauphase soll sich das Projekt ohne weitere finanzielle Unterstützung durch die Kommunen oder der Leader-Förderung tragen.

 

Marlen Berger Stöckl erklärte, dass der Bestand an Streuobst dramatisch zurückgegangen sei. „Wir haben jetzt zehn bis 20 Prozent, von dem was wir schon mal hatten.“ Da für Bioobst die Nachfrage vorhanden sei, werde es auch besser bezahlt. Derzeit importieren Hersteller das Bioobst größtenteils aus dem Ausland, weil man nicht genügend aus der Region beziehen könne, um die Nachfrage zu stillen, schilderte Berger Stöckl. Ratsmitglied Monika Fuchs begrüßte die Initiative und meinte, dass es wichtig sei, das Obst wieder wertzuschätzen. „Viele wollen Biosaft aber kaufen ihn nicht aus der Region. Wenn man dem dagegen halten will, muss man etwas auf die Beine stellen.“ Bürgermeister Johann Schild erklärte, dass bei einer Teilnahme an dem Projekt nicht der ganze Betrieb umgestellt werden müsste. Dr. Andreas Neubauer befürwortete ebenfalls das Projekt und meinte es sei pervers, wenn man hier das Obst verkommen lasse, während anderes importiert werde.

 

Kenlly M. Zehentner

 

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