Erstes Bier mit Bio-Braugerste aus der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel verkostet
Fridolfing/Stein an der Traun. Erst sechs Wochen ist das Zwickelbier alt, das Markus Milkreiter, Braumeister der Schlossbrauerei Stein, gestern zur Probe an Landwirte und Bürgermeister ausgeschenkt hat – mitten im Feld von Josef Berger. Dieser ist einer von inzwischen zwölf Bauern, die im Rahmen der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel Bio-Braugerste anpflanzen und an die Steiner Brauerei liefern. Bereits seit vergangenem Jahr benutzt diese Bio-Gerste aus der Ökomodellregion. Doch der Sud, der nun zwischen den Ähren ausgeschenkt wurde, ist der erste, der vollständig mit Getreide aus der Region gebraut worden ist.
Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion lobte sowohl das Projekt als auch den Partner. „Die Brauerei hat von Anfang an verstanden, dass es für gute regionale Ware einen Preis braucht, wo was übrig bleibt.“ In Deutschland würden mehr Bio-Lebensmittel verbraucht als produziert, deshalb sei es gut, dass die Brauerei Bio-Gerste aus der Region verwende.
Auf einen Ertrag von 200 Tonnen Bio-Braugerste hofft Milkreiter für das laufende Jahr – für 100 Liter benötigt er rund 22 Kilogramm. Schon seit zehn Jahren arbeitet die Brauerei bei konventioneller Gerste mit einer Erzeugergemeinschaft zusammen; das auf die Bio-Schiene zu übertragen, sei bisher gescheitert. „Man braucht eine Mindestanzahl Bauern und einen geeigneten Erfasser, der bio-zertifiziert ist. Die Ökomodellregion ist da ein Glücksfall.“
Damit bezieht die Brauerei ihre gesamte Gerste aus der Region. Wenn alles so läuft, wie Milkreiter es sich vorstellt, wird sie im kommenden Jahr auch einen Versuch unternehmen, regionalen Bio-Weizen für ihr Bier zu verwenden – aus der Ökomodellregion. Dies sei allerdings schwieriger als bei der Gerste, fügt er an, weil die Bauern nicht mit Stickstoff düngen dürfen und so der Eiweißgehalt des Getreides niedriger sei.
Auch bei der Lagerung arbeiten Ökomodellregion und Brauerei zusammen: Letztere hat die leerstehende Mussenmühle in Tacherting gepachtet und ist gerade dabei, diese technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Dort sollen in Zukunft neben der Braugerste auch Dinkel und Senf der Ökomodellregion-Bauern gelagert werden.
Für Landwirt Josef Berger ist die Kooperation mit Stein ein Experiment. Seit 2010 betreibt er seinen Hof ökologisch, eigentlich vor allem mit Milchkühen. „Ich war für das Projekt ganz offen“, sagt er. Wenn er nicht die nötige Qualität, etwa in Bezug auf die Korngröße, liefern könne, sei es eben so. Gut findet er jedenfalls, dass für seine Kühe gutes Futter abfällt: Nicht nur das Stroh der Gerste, sondern auch der eiweißreiche Treber, der nach dem Brauvorgang übrig bleibt. Und: „Bio-Ackerbau ist spannend.“ Andreas Remmelberger sen. und Andreas Maier, zwei weitere Lieferanten für das Projekt, betonten, dass die Lebensmittel in der Region blieben.
Berger-Stöckl entwarf zum Schluss eine Vision für die Kooperation: Man könne sich ein Beispiel am Neumarkter Lambsbräu nehmen. Die Brauerei habe die Produktion mit einem Biobauern begonnen – inzwischen seien es 130. „Da ist also noch Potenzial“, sagte Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner.
Simone Bernard