Wie kann man denn selbst einen Beitrag leisten, damit die Heimat so schön bleibt, wie sie ist?
Oder - um es etwas spröder zu formulieren: Welche Umweltmanagementmaßnahmen sind geeignet, die Landschaft nachhaltig zu nutzen und so ihren Wert zu erhalten? Für die Schüler der zehnten und elften Klassen am AKG machte die Vortragsveranstaltung im Fach Biologie die theoretischen Aspekte der Ökologie, die sie im Schuljahr besprochen hatten, konkreter und für ihre Heimat greifbar.
Beate Rutkowski, die dieses Mal nicht in ihrer Rolle als Biologie-Lehrerin vor den Schülern stand, sondern als Kreisvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, stellte die Landwirtschaft gleich in einen festen Zusammenhang mit Klimawandel, Biodiversität und den Umgang mit den Ressourcen Humus und Wasser. Landwirtschaft habe konkrete Auswirkungen. Als Beispiel nannte sie den Eintrag von Stickstoff in die Umwelt – dieser könne aus der Kreislaufwirtschaft eines Betriebs kommen, bei intensiver Bewirtschaftung mit Mineraldünger wird es dem Boden zusätzlich als bestens lösliches Nitrat oder Ammonium zugeführt.
Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das wegen seiner möglichen krebserregenden Wirkung nur eine befristete weitere Zulassung in der EU erhalten hat, wurde zwar in der Diskussion um die Zulassung gerne auf seine direkte Auswirkung auf den Menschen reduziert, Rutkowski merkte jedoch an, was ein Totalherbizid auch noch bewirkt: „Da wächst nichts mehr.“ Damit fehlen die Nährstoffproduzenten, Insekten und Vögel sind damit ihres Lebensraums beraubt. Die neuen Zentren des Artenreichtums scheinen ja die urbanen Zentren wie die Bundeshauptstadt Berlin zu sein, zumindest was den Vogelreichtum angeht. Ob man da einen Zusammenhang konstruieren könnte? Glyphosat reduziere die Aktivität von Regenwürmern, diese haben eine große Bedeutung bei der Durchlüftung und Auflockerung des Bodens. Die Art der Bewirtschaftung hat also Einfluss auf den Zustand der Natur.
Gerade die für Bayern typische bäuerliche Landwirtschaft sei der Garant für die Arten- und Biotopvielfalt, und so sieht sie auch das Arbeitsfeld des Bund Naturschutz: Es gelte die Landwirte zu unterstützen, die kleinen Betriebe zu erhalten und somit die so typische Landschaft zu erhalten. Die für Norddeutschland üblichen großen Flächen, die industriell bewirtschaftet werden, sind da das genaue Gegenteil der bayerischen Verhältnisse – für die biologische Vielfalt sind die kleinen, möglichst extensiv bewirtschafteten Flächen sehr viel erfolgreicher zu gestalten.
Zwei Landwirte, die ihre Betriebe in der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel haben, stellten den Schülern im Anschluss ihre Betriebe vor. Hans Praxenthaler aus Fridolfing bewirtschaftet seinen Milchviehbetrieb mit der Familie auf traditionelle Weise und nicht zu intensiv, wobei ihm die Kreislaufwirtschaft sehr am Herzen liegt. Als Bio-Bauer verzichtet er auf den Einsatz von „Chemie“, also Spritzmitteln und Mineraldünger. Er legte jedoch dar, dass ein Betrieb, der früher sechs Personen ernährte und in dem alle Stoffe in einem natürlichen Kreislauf auf der Betriebsfläche recycelt wurden, heute 150 Personen ernährt und diese Biomasse dem Hof entzogen werde. Dennoch müsse es gelingen, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und den Humusaufbau zu fördern, beispielsweise durch ganzjährige Bodenbedeckung. Die ökologische Landwirtschaft sieht er als einen „wichtigen Part in der Ernährung der Welt“. Wichtiger Bestandteil seines Betriebes sei auch der Wald und den könne man nur nachhaltig bewirtschaften, wenn es ein ausgeglichenes Gleichgewicht zwischen Wald und Wild gebe.
Franz Huber, der seinen Hof in Fridolfing konventionell bewirtschaftet, stellte die Vielfalt der Einnahmequellen in seinem Betrieb dar. Die 38 Hektar verteilen sich auf 8 Hektar Grünland und 30 Hektar Acker, davon werde die Hälfte für den Maisanbau genutzt, ein Viertel für Getreide und ein Viertel für Kleegras als eiweißreiches Viehfutter. Die Reste, die für die Ernährung seiner 40 Kühe nicht mehr genutzt werden können, kommen dann wie die gesamte Gülle in die hauseigene Biogasanlage, die die Stromversorgung für über 500 Menschen sicherstellen könne. Würde er sich nur auf die Milchviehhaltung konzentrieren, hätte er stattdessen 80 Kühe im Stall stehen und damit eine weitaus intensivere Bewirtschaftung. So sei er Landwirt und Energiewirt gleichzeitig, viele Stoffe blieben im Kreislauf des Hofes und das komme langfristig der Bodenqualität zu Gute.
Marlene Berger-Stöckl stellte im vierten Abschnitt der Vortragsveranstaltung die Arbeit der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel vor, zu der sich mittlerweile neun Kommunen zusammengeschlossen haben. Es gehe bei der Ökomodellregion um drei Ziele: Durch die Ausweitung des Biolandbaus sollen mehr heimische Bioprodukte in der Region erzeugt und vermarktet werden. Die Menschen sollen eingebunden werden, sie sollen als Kommune, als Bürger und als Konsumenten einen Beitrag zur Ökologisierung leisten können. Und es sollen mehr konventionell arbeitende Landwirte, die sich einen Umstieg zur Bio-Landwirtschaft noch nicht vorstellen können, zur Mitarbeit in ökologischen Gemeinschaftsprojekten motiviert werden. Konkret kann das so aussehen, dass beim Vereinsfest das Biorind auf den Grill kommt, die Braugerste für die Maß aus der Region stammt und der Käse für die Brotzeitplatte aus dem Dorfladen kommt. Für den Käse gibt es zwei kleine Käsereien, die mit ihren Produkten Bioläden und die Gastronomie beliefern.
Wissen und Projekte in die Schulen zu transportieren ist ein weiteres Anliegen der Ökomodellregion – dazu hat die Vortragsveranstaltung am AKG vor 230 Schülern sicher einen Beitrag leisten können.
Helmut Floder