Samstag, 14 März 2020 08:35

Neuwahl bei der Jagdgenossenschaft Wonneberg Empfehlung

geschrieben von Eder Hans
Die wiedergewählte Vorstandschaft der Jagdgenossenschaft Wonneberg mit den neuen Rechnungsprüfern, von links Beisitzer Sebastian Lechner, Rechnungsprüfer Sepp Mühlthaler jun., Beisitzer Alois Maier-Fenninger, Rechnungsprüfer Andreas Häusl, Jagdvorsteher Leonhard Strasser und sein Stellvertreter Gottfried Reiter.|||| Die wiedergewählte Vorstandschaft der Jagdgenossenschaft Wonneberg mit den neuen Rechnungsprüfern, von links Beisitzer Sebastian Lechner, Rechnungsprüfer Sepp Mühlthaler jun., Beisitzer Alois Maier-Fenninger, Rechnungsprüfer Andreas Häusl, Jagdvorsteher Leonhard Strasser und sein Stellvertreter Gottfried Reiter.|||| Foto: Eder||||

Abschusszahlen erfüllt, Naturverjüngung verbessert - Vorstand der Jagdgenossenschaft Wonneberg wiedergewählt – Sturmschäden schnell aufarbeiten

Wonneberg. Alles im grünen Bereich bei der Jagdgenossenschaft Wonneberg. Die Vorstandschaft unter Leitung von Jagdvorsteher Leonhard Strasser wurde bei nur einer Gegenstimme in ihren Ämtern bestätigt; bei der letzten Wahl vor fünf Jahren waren dafür drei komplizierte Wahlversammlungen notwendig gewesen. Die Abschusszahlen sind erfüllt worden, wie aus Strassers Bericht hervorging, und Förster Max Poschner machte der Vorstandschaft das Kompliment, dass sich die Aufwuchssituation des Waldes in der Gemeinde Wonneberg in den vergangenen zehn Jahren zum besseren gewandt habe. Aber ganz ohne Kritik ging auch diese Versammlung nicht ab: Raimund Kriegenhofer fand, die Jäger in Wonneberg seien „nur am Schießen. Man sieht kein einziges Reh mehr.“

 

In seinem Bericht vor den 54 wahlberechtigten Besuchern der Jahreshauptversammlung im Gasthaus „Alpenblick“ in Weibhausen zählte Jagdvorsteher Strasser eine Reihe von Informationsterminen, Vorträgen und Seminaren auf, die er beziehungsweise Vorstandsmitglieder besucht haben, außerdem die Versammlung des Hegerings Waginger See, der neben Wonneberg die Gemeinden Petting, Waging und Taching umfasst, und das Treffen zur Abschussplanung im Landratsamt. Eine Waldbegehung wurde durchgeführt, die laut Strasser sehr informativ und mit rund 30 Personen gut besucht gewesen sei. Das Jahresprogramm wurde abgerundet von einer Moorwanderung mit abschließendem Grillen im Rahmen des Kinderferienprogramms und mit dem Jagdessen beziehungsweise der Jagdpartie der Frauen und der Männer.

 

149 Rehe sind im vergangenen Jahr geschossen worden, weitere acht sind dem Verkehr zum Opfer gefallen. Bei einer kurzen Bilanz der Eigenbewirtschaftung, die vor zehn Jahren begonnen hat, stellte Strasser fest, dass eigentlich von Jahr zu Jahr immer mehr Rehe abgeschossen worden seien. Dies bedeute für ihn, dass auch genügend Rehe vorhanden sein müssten, was von manchen Jagdgenossen gern bezweifelt wird. Eigenbewirtschaftung eines Jagdreviers bedeutet, dass die Jagdgebiete nicht verpachtet werden, sondern dass Jäger im Auftrag der Jagdgenossenschaft nach deren Vorgaben das Jagen übernehmen. Nach Strassers Schätzung dürften sich im Wonneberger Bereich etwa 15 bis 20 Rehe auf einer Fläche von je 100 Hektar Wald aufhalten.

 

Der Bericht von Kassier Sebastian Lechner gab einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben, an deren Ende ein Überschuss stand. Die Versammlung sprach sich danach einstimmig für die Entlastung der Vorstandschaft aus. Der Haushalts-Vorschlag für 2020, der sich an den Einnahmen und Ausgaben von 2019 orientierte, wurde von den Mitgliedern einstimmig abgesegnet. Trotz des guten Kassenstands wurde beschlossen, die Einnahmen aus der Jagd, den sogenannten Jagdschilling, auch heuer in der Kasse zu belassen, ihn also nicht auszuzahlen.

 

Vorstands-Neuwahlen akribisch vorbereitet

 

Die Wahl ging unter der routinierten Leitung von Bürgermeister Martin Fenninger problemlos über die Bühne, wurde aber mit großer Akribie eingeleitet: Alle Besucher mussten sich anmelden und bekamen dann ihre Wahlkarten zugeteilt. Die 54 wahlberechtigten Jagdgenossen verfügen über – auch das wurde genau ausgerechnet – 729,38 Hektar. Diesmal gab es auch keine Vollmachten, mit denen nicht anwesende Jagdgenossen ihre Stimme einem anderen übertragen konnten, was besonders Bürgermeister Fenninger freute; er fand diese, allerdings laut Satzung vorgesehenen Übertragungen schon immer „einen totalen Schmarrn: Wem die Versammlung wichtig ist, soll selbst hingehen.“ Und im Rückblick auf die Wahlen vor fünf Jahren meinte er noch: „Die habe ich nicht in ganz guter Erinnerung. Das war ganz schön viel Stress damals.“

 

Gewählt wurden dann die bisherigen Amtsinhaber Leonhard Strasser als Jagdvorsteher, Gottfried Reiter als Stellvertreter sowie Alois Maier-Fenninger, der weiterhin das Schriftführeramt ausübt, und Sebastian Lechner, der Kassier bleibt, als Beisitzer. Zu neuen Rechnungsprüfern gewählt wurden Sepp Mühlthaler jun, der damit das Amt von seinem Vater übernahm, und Andreas Häusl für Georg Siglreitmaier.  Bürgermeister Fenninger wünschte der wiedergewählten Vorstandschaft „friedvolle Jahre“ und hofft auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

 

„Keine schönen Jahre für die Forstwirtschaft“

 

Förster Max Poschner widmete sich in seinem Vortrag hauptsächlich dem Thema Forstwirtschaft: „Die letzten fünf Jahre waren keine schönen Jahre“, resümierte er. Grund dafür seien die zwei großen Stürme der letzten Zeit gewesn. Zwar sei der Sturm „Sabine“ an der hiesigen Gegend weitgehend vorbeigezogen, aber die Schäden, die anderswo angerichtet wurden, hätten den Holzpreis, der sich gerade im Aufwärtstrend befunden habe, wieder in den Keller fallen lassen. Aber trotz der niedrigen Preise sollten die Waldbauern, so rasch es geht, die Bestände wieder aufarbeiten – der Borkenkäfer stelle in der aktuellen Situation eine große Gefahr dar. Beim Aufarbeiten solle man aber große Vorsicht walten lassen, so Poschner weiter, viele auch tödliche Unfälle sollten allen eine Warnung sein: „Wenn sich jemand mit der Arbeit nicht raussieht, soll er sich Profis nehmen. Es ist nicht wert, sein Leben aufs Spiel zu setzen.“

 

Der Walderhalt sei aktuell die Priorität Nummer eins. Es gebe derzeit hohe Fördersätze, teilweise fast kostendeckend, wenn man klimaresistente Baumpflanzen – hauptsächlich Laubbäume oder Tannen - setzen will. „Nehmt das in Anspruch!“, so Poschners Appell, „die Situation wird nicht besser. Schnee, Wind oder der Käfer führen Jahr für Jahr zu Katastrophen.“ Naturverjüngung müsse möglich sein. In dem Zusammenhang lobte er die Politik der Wonneberger Jagdgenossenschaft, die eine deutliche Verbesserung der Aufwuchs-Situation mit sich gebracht habe, auch wenn das nicht einfach gewesen sei: „Ihr musstet einiges aushalten.“

 

Jagdvorsteher Strasser stellte dazu fest, dass der Wald für das Klima „eine signifikante Rolle“ spiele. Was heutzutage offiziell als eine „tragbare“ Waldsituation hingestellt werde, ist seiner Meinung nach in Hinsicht auf den Klimawandel keineswegs tragbar. Sein Credo: „Der Abschuss soll so durchgeführt werden, dass der Wald ohne Schutz aufwachsen kann.“ Dieses Recht habe jeder Jagdgenosse. Dabei übte er Kritik am Landratsamt, wo es den zuständigen Personen mehr um Bürokratie gehe als dass sie sich um den Wald kümmerten und die Jagdgenossenschaften unterstützten.

 

Rehe nur noch im Tierpark zu erleben?

 

Die Kritik von Raimund Kriegenhofer, dass man demnächst in den Tierpark fahren müsse, wenn man noch Rehe sehen wolle, konterte Strasser sarkastisch: Schon im Kreuzworträtsel werde das Reh als „scheues Waldtier“ beschrieben, und wie kämen Jahr für Jahr die geschilderten Abschüsse zustande, wenn es wirklich keine Rehe mehr gäbe. Dann sprach Strasser noch von einem Problemhund, der sich in den Wonneberger Wäldern herumtreibe. Theoretisch dürften die Jäger einen solchen abschießen, das habe die Vorstandschaft den eigenen Jägern aber strikt untersagt. Von daher appellierte Strasser an die Waldbesitzer, die davon wissen, doch auf den Halter einzuwirken. Außerdem forderte er die Jagdgenossen auf, den Jagdschein zu machen: „Wenn wir das jetzt Erreichte halten wollen, brauchen wir Jäger.“ Denn, wie sich auch in Wonneberg zeige, steigen die Rehbestände wieder an, wenn sich ihr Lebensraum durch die Naturverjüngung verbessert. Dann bat er noch die Anwesenden um übrige Stangen zum Bau von Jagdeinrichtungen.

 

Am Schluss lobte Zweiter Vorsitzender Reiter Jagdvorsteher Strasser dafür, dass er sich so intensiv um alles kümmert. Ein selbstbewirtschaftetes Gebiet erfordere noch deutlich mehr Arbeit als wenn die Jagden einfach verpachtet werden und sei zudem mit viel Ärger und wenig Dank verbunden. Aber es mache sich bezahlt. he

 

Gelesen 192 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 März 2020 15:44
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