Samstag, 03 August 2019 19:44

Abgestufter Waldrand als Lebensraum

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|||| |||| Foto: Hans Eder||||

Trotz schlechter Witterung fanden sich viele Waldbesitzer, Jäger und Interessierte zum Waldbegang der Jagdgenossenschaft Wonneberg ein.

Nachdem Jagdvorsteher Strasser die Anwesenden begrüßt hatte ging er gleich auf die Notwendigkeit des Waldumbaus in Zeiten der Klimakrise ein. Damit der Wald seine Gemeinwohl Leistungen erfüllen kann, muss von der kleinsten Bakterie im Boden bis zu den Vögeln in der Luft alles im bestmöglichen Zustand sein. Wenn wir über Artenreiche ökologisch wertvolle Wälder reden müssen wir allerdings zuerst über eine Jagd reden die zu angepassten Wildbeständen führt alles andere ist Quatsch. Denn wir brauchen Bäume und Sträucher mit leicht zersetzbaren Laub, das leider auch von den Rehen mit Vorliebe gefressen wird, als Futter für die Regenwürmer, die wiederum Humus bilden. Je mehr Humusbildung, desto besser sind die Bäume in der Lage, Wurzelmasse zu bilden, damit werden sie vitaler und standfester und außerdem kann mehr Wasser im Boden gespeichert werden um für Trockenzeiten besser gerüstet zu sein. In Zeiten des Klimawandels geht es schon längst nur noch um den Erhalt unserer Wälder als Lebensgrundlage, aber der Politik ist der Wald, außer in Sonntagsreden, bis jetzt noch nicht wichtig genug und bei der Jagd halten sie an der Trophäenjagd fest. Nachdem der Jagdvorsteher darüber seinen Unmut losbrachte liesen sich die Excusionsteilnehmer vom Waldbesitzer und Jäger Gottfried Reiter in den Wald führen. Wie sich der Wald mit ein paar kleinen steuernden Eingriffen innerhalb kurzer Zeit verändern kann, wenn die Jagd dem Wald angepasst ist, konnten manche Besuche gar nicht glauben. So ein Wald ist auch hervorragender Lebensraum für die noch anwesenden Rehe. Nach den kurzen Abstecher in den Wald ging es an den Waldrand der das eigentliche Thema des heurigen Begangs war. Was Waldbauer Gottfried Reiter bei der Begehung den Interessenten vorstellte, konnte sich sehen lassen: Von der blühenden Krautschicht über die artenreiche Strauchschicht bis zu den vielfältigen Lichtbaumarten in der Oberschicht ist seine Hecke strukturiert wie in einem Lehrbuch. Nicht nur dem Auge hat sein abgestufter Waldrand mit blühenden Vogel- und Traubenkirschen, Wildbirne und Wildapfel viel zu bieten: Er ist Nahrungs- und Brutraum für eine Fülle von Wildbienen, Schmetterlingen, Vögeln und Kleinsäugern. Der Saum liefert dem dahinterliegenden Wald Eicheln und andere Samen für die Waldverjüngung und erhöht somit den Artenreichtum. Er stabilisiert den Waldrand durch seine abgestufte Struktur bei Wind und Sturm und baut mit den vielen Laubbäumen Speicherhumus auf, unentbehrlich für einen stabilen Wasserhaushalt. Ein artenreicher, gestufter Waldrand, eine reich strukturierte Hecke mit hoher Biodiversität entwickeln sich allerdings nicht ganz von selbst: Sie müssen vom Menschen geschaffen und auf Dauer gepflegt werden. Den Waldsaum hat Reiter selbst angelegt: „Die wichtigsten zehn Lichtbaumarten habe ich angepflanzt, darunter viel heimisches Wildobst. Schattenbäume wie Tanne und Fichte hab ich regelmäßig bei der Pflege herausgenommen, damit sich die vielfältige Strauchschicht durch Samenanflug oder Verbreitung über Tiere fast von allein entwickeln konnte“, so Reiter, der dieses Vorgehen inzwischen auch auf weitere Waldsäume übertragen hat. Für ihn hat seine Hecke noch einen weiteren Nutzen: „Rehe halten sich viel lieber in diesen Übergangsbereichen auf als im Wald, hier haben sie mehr Deckung und ein breiteres Nahrungsangebot, das schützt den Wald vor Verbiss“, so Reiter.

 

Begeistert war auch Förster Max Poschner, der die Begehung leitete und die zahlreichen heimischen Baum-und Straucharten mit ihren botanischen und waldbaulichen Besonderheiten vorstellte. „Im Wald gibt es nirgends so viele Arten wie an diesem vielfältigen Saum. Hier finden wir eine genetische Vielfalt, die wir für später sichern müssen“, so Poschner. Abschließend stellte Jagdvorsteher Strasser fest, Jagd ist nicht alles, aber ohne angepasste Rehwildbestände wäre das alles nicht möglich, bedankte sich bei den anwesenden Jägern für ihren unermüdlichen Einsatz und forderte die Teilnehmer des Waldbegangs auf den Jagdschein zu machen, denn das Thema Jagd wird uns immer beschäftigen. Er hoffe auch das die Poltik endlich erkennt das Wälder die die Gemeinwohlleistungen erbringen können eine gesellschaftliche Aufgabe sind und dabei die Waldbesitzer nicht alleine gelassen werden dürfen. Hernach wurde bei einer deftigen Brotzeit noch lange über das Gesehene diskutiert.-he

 

Gelesen 252 mal Letzte Änderung am Montag, 05 August 2019 14:59