Unser Hochaltar - Teil 4

(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 22)

 

Hochaltar - Höhe Tabernakel

 

Die Schnitzarbeiten beiderseits des Tabernakels zeigen, wie die Darstellungen am Altartisch, alttestamentliche Vorbilder der Opfergaben Brot und Wein.
 

 

Auf der Epistelseite ist das Geschehen dargestellt, das uns Moses in seinem zweiten Buch, Kap. 16 übManna Wüsteerliefert hat und worin es heißt: "Die Juden murrten gegen Moses (in der Wüste) und sagten: wären wir doch durch die Hand des Herrn im Lande Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und uns satt essen konnten an Brot." "Der Herr sprach zu Moses: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Und so geschah es. Als am Morgen die Tauschicht aufgestiegen war, da lag auf dem Boden der Wüste etwas Feines, Körniges, ähnlich dem Reife auf der Erde. Moses sprach: das ist das Brot (Manna), das euch der Herr zu essen gibt."

Weintraube - Das Blut ChristiIst das rechte Bild mit dem Manna in der Wüste das Vorbild für das himmlische Brot des Neuen Bundes, so versinnbildet das Bild auf der Evangelienseite mit der Weintraube das Blut Christi. Moses erzählt und in seinem 4. Buch (Numeri Kap. 13), wie er, der das Gelobte Land nicht betreten durfte, je einen Kundschafter aus den 12 Stämmen Israels ausschickt, um das ihnen verheißene Land zu erkunden. Es war, wie es heißt, die Zeit der ersten Trauben. "Und sie kamen bis zum Traubenbach (Neheleskol) und schnitten eine Rebe mit der Traube ab, die zwei Männer an einer Stange trugen und auch von den Granatäpfeln und den Feigen."

PelikanSchräg über diesen beiden Darstellungen sind zwei versilberte Rundungen angebracht. In der linken ist ein Pelikan dargestellt. Eine uralte, vorchristliche Fabel erzählt von ihm, dass er sich die Brust aufreißt, um mit seinem Blut die Jungen zu ernähren. Da der Pelikan so zum Sinnbild für die selbstaufopfernde Liebe wurde, hat diese an sich heidnische Darstellung durchaus ihren Platz in der christlichen Kirche mit Hinblick auf den Opfertod Christi.

Vogel PhoenixEbenso heidnischen Ursprungs ist die gegenüberliegende Darstellung des Vogels Phönix. Phönix war ein mythischer Vogel, der der Sage nach zu bestimmten Zeiten aus Arabien oder Indien nach Heliopolis, der ägyptischen Sonnenstadt kommen sollte, wo er sich im Tempel des Sonnengottes ein Nest aus Myrrhen baute und in demselben auf einem Scheiterhaufen verbrannte, um aus seiner Asche verjüngt wieder hervorzugehen. Man kann dieses Symbol in christlicher Sicht deuten einmal als das sich immer erneuernde unblutige Opfer in der Eucharistie oder als Vorbild der Auferstehung Christi.

Kirchenpatron hl. LeonhardIn der Mitte des Altaraufbaues hebt sich vor dem leuchtend goldenen Hintergrund die dunkle Gestalt unseres Kirchenpatrons, des heiligen Leonhard ab und zieht das Auge des Beschauers auf sich. Angetan mit der schwarzen Mönchskutte, hält er in der einen Hand den Abtstab, in der anderen die Kette mit der Handfessel. Sein Leben und die Ausbreitung seiner Verehrung haben wir schon kennen gelernt. Die beiden heiligen neben ihm, der heilige Aloisius und die heilige Agnes haben keinen weiteren Bezug zu unserer Kirche. Als der Altar aufgestellt wurde (1895), bemühte man sich besonders um die Verehrung dieser beiden Vorbilder für die Keuschheit der männlichen und der weiblichen Jugend.

Aloisius, 1568 geboren und während seiner Vorbereitung auf den priesterlichen Stand im Alter von nur 23 Jahren gestorben, verachtete den sinnlichen Lebensgenuss und die üppige Pracht seines väterlichen herzoglichen Hofes zu Gonzaga und übte die Tugend der Keuschheit in heroischem Maße.

Das weibliche Gegenstück zum heiligen Aloisius ist die heilige Agnes, die lieber den Märtyrertod erleiden wollte, als zu sündigen. Während der Regierung des Kaisers Diokletian (248 - 305) starb sie im Alter von nur 13 Jahren. Acht Tage nach ihrer Hinrichtung, so berichtet die Legende, erschien sie ihren Eltern mit einem Lamm auf dem Arm - so wird sie auch dargestellt - und tröstete sie mit der großen Herrlichkeit, die sie sich verdient hat.




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