Unser Hochaltar - Teil 5

(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 23)

 

Unser HochChristi am Kreuz, Mutter Maria und Johannesaltar wird gekrönt von der Darstellung Christi am Kreuz. Unter den Kreuzesbalken stehen die Mutter Maria und der Lieblingsjünger Jesu, Johannes.

Links und rechts oben sind die Statuen der Patrone der bäuerlichen Bevölkerung, vor allem der Dienstboten, Isidor und Notburga.

Heiliger IsidorIsidor, dessen Gedächtnis in der Liturgie am 10. Mai begangen wird, wurde im Jahre 1070 von armen Eltern in Spanien geboren. Um in seinem Beruf als höriger Bauer bei einem spanischen Edelmann bestehen zu können, benötigte er in großem Maß die Tugenden der Selbstüberwindung und des unerschütterlichen Glaubens. Wir wissen aus der Legende, dass, während er sich beim Gebet Kraft holte für seine Arbeit, ein Engel seinen Pflug führte.


Heilige NotburgaDas weibliche Gegenstück zum heiligen Isidor ist Notburga. Sie steht uns auch geographisch viel näher, sie ist im tirolerischen Rattenberg, das wir sicher alle kennen, im Jahre 1266 geboren. Mit 18 Jahren kam sie als Dienstmagd auf die Rottenburg, deren Ruinen man heute noch sehen kann. Nach dem auf der Burg eine neue, hartherzige Herrin eingezogen war, verdingte sie sich bei einem Bauern in Eben am Achensee, wo sich das Sichelwunder ereignete. Später kehrte sie wieder auf die Rottenburg zurück. Als sie dort gestorben war, brachte ein Ochsengespann ihre Leiche nach Eben, wo sie in der Rupertuskirche, wo sie so oft gebetet hatte, begraben ist.


Wenn die geschnitzten Figuren unseres Hochaltars auch keine kunstvollen Werke sind, die das Interesse von Kunstsachverständigen wecken, so dürfen wir doch den tiefen Sinn der dargestellten Figuren und Szenen schätzen; die Kirche ist ja in erster Linie der Raum der Gemeinde für den Gottesdienst.


Bevor wir uns den gemalten Figuren und der grandiosen Darstellung der Passionsgeschichte auf unserem Altar zuwenden, bedarf es einiger Vorbemerkungen zur Person des Künstlers und zur Bedeutung dieses einmaligen Kunstwerks. Der Künstler ist geborener Laufener und heißt Gordian Guckh (manchmal auch "Gugg" geschrieben). Er war ein vermögender Mann, des öfteren Zechpropst (Kirchenpfleger) der Laufener Marienkirche, Stadtrat und mehrere Jahre hindurch Bürgermeister der Stadt. Neben seiner Malerei betrieb er auch Handel mit Salz, Gewürzen, Wachs ua. und gelangte dabei zu großem Reichtum. Archivalisch sicher sind nur folgende drei Werke: Unser Wonneberger Altar, der Altar von St. Koloman am Tachinger See und Burg bei Tengling (dieses existiert aber nicht mehr). Es werden ihm noch verschiedene andere Arbeiten zugeschrieben, so in Nonn bei Reichenhall, Werfen und andere. P.-Bernhard war der Ansicht, dass unsere Altartafeln ein Geschenk der Laufener Schiffergilde seien - wie es auch irrtümlich auf der Tafel über dem Weihwasserbecken geschrieben steht. In den Archiven liegt jedoch eine Mahnung der Erben Guckhs an die Zechpröpste in Burg, St. Koloman und St. Leonhard, die noch ausstehenden Kosten in Höhe von 221 Pfund Pfennigen zu bezahlen. Es ist schade, dass man nicht weiß, wie hoch die ursprünglich geforderte Summe ist und wie sie sich auf die drei Kirchen verteilte. Nimmt man an, dass diese Gemälde unserer Kirche 150 Pfund Pfennige kosteten, ergibt sich eine enorme Summe. Der ganze Jahreshaushalt der Stadt Laufen, betrug damals (1500) 140 Pfund Pfennige. (1 Pfund Pfennige waren 240 Pfennige.) Wenn man bedenkt, dass der "Münchner Pfennig", der von dem Salzburgischen wertmäßig nicht allzu sehr abgewichen ist, zwei Maß Bier wert war, errechnet sich für das Wonneberger Werk Guckhs ein recht ansehnlicher Betrag.


Kunstkenner behaupten, dass in der damaligen Zeit weder in benachbarten Bayern noch in Österreich ein Werk entstanden ist, das in so vollendeter künstlerischer Qualität Figuren und Landschaften in harmonischer Gedrängtheit darstellt, das unseren Altartafeln gleicht. Sie waren vor Jahren in Linz und erst vor wenigen Jahren in Salzburg ausgestellt und wurden von vielen tausend Besuchern bewundert.

 

 


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