Die Turmrenovierung 1830 - 1832 (2)

(Beilage zum Kirchenanzeiger Nr. 41)

 

Im zweiten Bauabschnitt der Turmrenovierung 1832 machte sich die Kirchenverwaltung St. Leonhard an die Ausbesserung des Mauerwerks.

 

Für Bausteine wurden insgesamt 42 Gulden (fl) und 19 Kreuzer (kr) .aufgewendet. Darunter waren zwei Klafter Duftsteine, der Klafter zu 2 fl 15 kr und 47 Dachziegel, das Stück zu 2 kr. Diese Ziegel  hatte der seinerzeitige Besitzer des Schusterveitlanwesens Utz (heute Fellner) in Burgstall geliefert. Den benötigten Kalk bezog man vom Stierl in Dieperting, vom Mayer in Seiboldsdorf und vom Friedl in Brünning. 1 "Muth" Kalk kostete 3 fl 40 kr. Die 16 1/2 Metzen Gips bezog man aus Salzburg.

 

Für 25 Fuhren Sand einschließlich Werfen und Fuhrlohn (die Fuhre zu 26 kr) und für 9 Fuhren Duft- und Kiessteine (zu 36 kr) zahlte die Kirche 16 fl 14 kr und der Fuhrlohn für 120 Metzen Kalk betrug 3 fl. (Nach der heutigen Gewichtseinteilung sind die 120 Metzen Kalk etwa 59 Zentner).

 

200 Stück Pfennignäge1 und 300 Lattennägel kosteten 2 fl 12 kr. Anton Heigermosert Schmied von Waging lieferte 16 10-zöllige und 36 15-zöllige Eisenstifte für 8 fl 8 kr. Für die Bearbeitung des Kostenvoranschlags wurden 36 kr. berechnet.

 

Die Arbeiten an der Turmmauer wurden in den Wochen zwischen dem 9. Juli und dem 29. September durchgeführt. Insgesamt wurden geleistet:

 

15 Maurertagschichten zu 42 kr 10 fl 30 kr
140 Gesellentagschichten zu 42 kr 104 fl 18 kr
109 Gesellentagschichten zu 38 kr 96 fl 2 kr
Zusammen 273 Tagschichten mit 210 fl 50 kr.

 

Die Rechnung wurde vorgelegt von Johann Stadler von Rudersdorf (Rusdorf), dem Stiftungspfleger und geschrieben vom Waginger Lehrer Aistleitner.

 

Die Gesamtaufwendungen für den zweiten Bauabschnitt betrugen 329 fl 22 kr. Der Kostenvoranschlag war 423 fl 20 kr, wurde also um 22 % unterschritten.

 

Zusammen mit dem 1. Bauabschnitt 1830 für die Ausbesserung der Turmkuppel wurden in den beiden Jahren 1830 und 1832 707 fl 10 kr und 2 Pfennig ausgegeben. Würde man diese Arbeiten heute ausführen lassen, müsste die Kirchenverwaltung an die 200.000 € aufbringen.

 

Das rentierende Vermögen der Wonneberger Kirche war zur Zeit der Turmrenovierung 44.000 Gulden. Mit dieser Summe könnte man heute Arbeiten ausführen lassen, die nach den heutigen Tarifen etwa 10 Millionen Euro ausmachen. Diese Summe erscheint unglaublich, ist es aber nicht.

 

Dr. von Bomhard, durch zwei Jahrzehnte Leiter des Diözesanarchivs und wohl der beste Kenner der Kirchengeschichte des Rupertiwinkels, schreibt in der Zeitschrift "Das Salzfaß": "Die Kirche in Weildorf gehörte früher zu den reichsten Kirchenstiftungen des Salzburger Landes. Im Rupertiwinkl nahm sie nach St. Leonhard am Wonneberg - der vermögendsten Kirche im ganzen Erzstift - die zweite Stelle ein, " und die Weildorfer Kirche, so berichtet Dr. von Bomhard, stiftete in einem kurzen Zeitraum an die Teisendorfer Mutterkirche Summen, die einen heutigen Wert von 1 Million haben.

 

Dabei muss man berücksichtigen, dass die Kirchen nie ihr Kapital angegriffen haben, sondern dass alle Ausgaben aus den laufenden Erträgnissen (Gebühren der Grundholden, Pacht einnahmen, Zinsen usw.) bestritten wurden.              I

 

Was sich ein Arbeiter in einer zwölfstündigen Tageschicht in "der bayerischen Währung" (1 Maß Bier) verdiente, haben wir in der letzten Beilage gesehen. Neben der Maß Bier, die damals 4 kr kostete, zahlte der Verbraucher für 1 Dutzend Eier 6 kr und für eine Forelle 15 kr. Der Arbeiter zahlte von seinem Lohn keine Lohnsteuer und keine Abzüge, hatte aber auch keinen Anspruch auf Krankengeld, von Arbeitslosenunterstützung oder Rente gar nicht zu reden.

 

 


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